Wenn du mit Jimdo Buchungen bezahlte Termine, Workshops, Beratungen oder Dienstleistungen anbietest, gelten für dich die Regeln für Fernabsatzverträge. Das klingt komplizierter als es ist: Dieser Artikel zeigt dir Schritt für Schritt, was du ausfüllen, einstellen und auf deiner Jimdo-Seite hinterlegen musst.
ℹ️ Hinweis: Dieser Artikel gibt dir einen allgemeinen Überblick — er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Wenn du einen regulierten Beruf ausübst, sowohl B2B- als auch B2C-Kunden hast oder ins Ausland verkaufst, empfehlen wir dir, eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen.
1. Leistungsbeschreibung: Was buchst du genau?
Bevor jemand bucht, muss klar sein, was er oder sie bekommt. Eine leere oder vage Beschreibung reicht nicht aus. Deine Leistungsbeschreibung sollte folgendes abdecken:
- Was gebucht wird — z. B. "Einzel-Coaching", "Yoga-Kurs für Anfänger:innen", "Outdoor-Fotoshooting"
- Dauer in Minuten oder Stunden
- Was inklusive ist — z. B. Materialien, Getränke, eine Aufzeichnung, ein Nachgespräch
- Was nicht inklusive ist — z. B. Anreise, Verpflegung, optionale Zusatzleistungen
- Format: vor Ort, online (mit Plattformangabe) oder hybrid
- Voraussetzungen — z. B. Vorkenntnisse, Mindestalter, mitzubringende Ausrüstung
- Gruppengröße bei Gruppenangeboten (Mindest- und Maximalanzahl)
- Ort — entweder die vollständige Adresse oder ein Hinweis wie "Link wird nach Buchung versandt"
✅ Gut: "90-minütiger Yoga-Workshop für Anfänger:innen in unserem Studio in Hamburg-Altona. Leihmatten und ein veganer Tee sind inklusive. Bitte bequeme Kleidung mitbringen. Max. 8 Teilnehmende. Adresse: Musterstraße 1, 22765 Hamburg."
❌ Nicht ausreichend: "Yoga-Stunde"
2. Preis und Umsatzsteuer
Dein Preis muss alle Steuern und Pflichtkosten enthalten. So richtest du das in Jimdo Buchungen korrekt ein:
Steuerstatus einstellen
Kleinunternehmer / umsatzsteuerbefreit: Aktiviere in deinen Buchungs-Einstellungen die Kleinunternehmer-Option. Im Buchungsflow erscheint dann automatisch der Hinweis "Keine Umsatzsteuer berechnet (Kleinunternehmerregelung)" beim Preis. Wir empfehlen zusätzlich, in deiner Leistungsbeschreibung oder deinen AGB einen kurzen Satz zu ergänzen — zum Beispiel: "Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet."
Umsatzsteuerpflichtig: Lass die Kleinunternehmer-Option deaktiviert. Jimdo Bookings zeigt dann automatisch "Steuer inklusive" beim Preis an — Kund:innen sehen, dass es sich um einen Bruttopreis handelt. Wenn du den genauen Steuersatz angeben möchtest (z. B. "inkl. 19% MwSt."), musst du das manuell in deine Beschreibung oder AGB eintragen.
Rabatte und Aktionspreise
Wenn du einen Preis als reduziert oder im Angebot darstellst, musst du EU-weit zusätzlich den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage als Referenz angeben.
3. Zahlungsmodalitäten
Kund:innen müssen wissen, wie und wann sie zahlen. Ergänze dazu einen kurzen Hinweis in deiner Leistungsbeschreibung oder deinen AGB — zum Beispiel:
"Zahlung per Kreditkarte oder PayPal direkt bei der Online-Buchung. Rechnung folgt per E-Mail."
"Zahlung in bar oder per EC-Karte vor Ort am Termin."
"Rechnung per E-Mail innerhalb von 7 Tagen nach Buchung; Zahlung per Überweisung."
⚠️ Wichtig: Ein vager Satz wie "Die Zahlung wird separat abgewickelt" reicht nicht aus. Sei konkret: Wie wird gezahlt, und wann?
4. Impressum
Auf deiner Website musst du dich als Anbieter klar ausweisen. Fehlendes oder unvollständiges Impressum kann in Deutschland abgemahnt werden. Folgendes gehört rein:
Vollständiger Name (Einzelunternehmen: Vor- und Nachname; Unternehmen: Firma, Rechtsform und Vertretungsberechtigte)
Vollständige Adresse (kein Postfach)
E-Mail-Adresse
Telefonnummer
Handelsregisternummer und zuständiges Registergericht (falls eingetragen)
Umsatzsteuer-ID (falls vorhanden)
Bei regulierten Berufen: zuständige Kammer, gesetzliche Berufsbezeichnung und Verweis auf die Berufsordnung
Hinweis zur Verbraucherschlichtung (siehe Abschnitt 7)
In Deutschland heißt diese Seite "Impressum" und basiert seit Mai 2024 auf dem Digitale-Dienste-Gesetz (DDG). Wenn du auch in andere EU-Länder verkaufst, beachte die länderspezifischen Bezeichnungen und Pflichtangaben (z. B. "Mentions légales" in Frankreich, "Aviso legal" in Spanien).
⚠️ ODR-Link entfernen: Falls dein Impressum noch einen Link zur EU-Online-Streitbeilegungsplattform (ec.europa.eu/consumers/odr) enthält: Entferne diesen Link. Die Plattform wurde im Juli 2025 abgeschaltet. Ein verbleibender Link gilt seitdem als irreführende Geschäftspraktik.
5. Datenschutzerklärung
Sobald du Buchungen entgegennimmst, verarbeitest du personenbezogene Daten — das musst du in deiner Datenschutzerklärung transparent machen. Folgendes gehört rein:
Daten aus dem Buchungsprozess
Wer für die Daten verantwortlich ist (du — mit vollständigen Kontaktdaten)
Wofür die Daten genutzt werden (Durchführung der Buchung und des Vertragsverhältnisses)
Welche Daten erhoben werden (Name, E-Mail, Telefon, ggf. Adresse, Wunschtermin, Sonderwünsche)
Wer die Daten erhält (Jimdo GmbH als Auftragsverarbeiter; ggf. Zahlungsdienstleister)
Wie lange die Daten gespeichert werden — in Deutschland in der Regel 6–10 Jahre nach Handelsgesetzbuch und Abgabenordnung
Terminerinnerungen per E-Mail
Wenn du Erinnerungs-E-Mails versendest, erwähne das in deiner Datenschutzerklärung. Rechtsgrundlage ist die Vertragserfüllung — und Kund:innen sollten wissen, dass sie sich per Abmeldelink abmelden können.
Cookies und Tracking
Jimdo bindet auf deiner Seite automatisch ein Cookie-Banner ein. Du musst trotzdem in deiner Datenschutzerklärung alle eingesetzten Cookies und Tracking-Dienste auflisten: welche Dienste, zu welchem Zweck, auf welcher Rechtsgrundlage und wie lange sie gespeichert werden.
Rechte deiner Kund:innen
Weise auf die üblichen Betroffenenrechte hin: Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenübertragbarkeit und Widerspruch. Nenne außerdem die zuständige Aufsichtsbehörde — in Deutschland die jeweilige Landesdatenschutzbehörde.
6. AGB und Widerrufsbelehrung
Brauchst du AGB?
Nein — AGB sind im B2C-Bereich nicht gesetzlich vorgeschrieben. Du kannst Buchungen auch ohne eigene AGB rechtssicher anbieten. Ohne AGB gelten dann die gesetzlichen Regelungen des Schuldrechts. Das bedeutet konkret:
Du kannst keine Stornogebühren oder Bearbeitungspauschalen verlangen, wenn Kund:innen absagen
Wenn du selbst stornierst, greifen die gesetzlichen Regeln — und Kund:innen können ggf. Schadensersatz geltend machen
Deine Haftung richtet sich nach den gesetzlichen Standards — eine vertragliche Begrenzung ist ohne AGB nicht möglich
Wenn du regelmäßig Buchungen mit hohem Vorbereitungsaufwand anbietest — z. B. Workshops mit Materialbestellung oder gemieteten Räumen — lohnen sich AGB, um Stornofristen, Anzahlungen und Haftungsfragen klar zu regeln. Für gelegentliche, unkomplizierte Buchungen reicht die gesetzliche Regelung meistens aus.
Was sinnvolle AGB abdecken sollten
Wann kommt der Vertrag zustande?
Leistungsbeschreibung und Mitwirkungspflichten der Kund:innen
Preise und Zahlung
Deine Stornierungsbedingungen (zusätzlich zum gesetzlichen Widerrufsrecht)
Haftung (Begrenzung soweit gesetzlich zulässig)
Gerichtsstand und anwendbares Recht
Widerrufsbelehrung — Pflicht bei Online-Buchungen
Bei Fernabsatzverträgen haben Kund:innen in der EU ein gesetzliches 14-tägiges Widerrufsrecht. Das gilt zusätzlich zu deinen eigenen Stornierungsregeln. Du brauchst zwingend:
Eine Widerrufsbelehrung nach gesetzlichem Muster (in Deutschland: Anlagen 1 und 2 zu Art. 246a EGBGB)
Ein Muster-Widerrufsformular zum Download oder direkt in der Bestätigungs-E-Mail
⚠️ Wichtig: Fehlt die Widerrufsbelehrung oder ist sie fehlerhaft, verlängert sich die Widerrufsfrist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage. Außerdem gilt: Deine eigene Stornierungsfrist (z. B. "kostenfreie Stornierung bis 48 Stunden vorher") ersetzt das gesetzliche Widerrufsrecht nicht — beide gelten parallel.
Termingebundene Freizeitveranstaltungen
Bei Buchungen mit festem Datum — z. B. Yoga-Workshops, Sportkurse, Stadtführungen oder Wellness-Termine — besteht von Gesetzes wegen kein Widerrufsrecht. Die Jimdo Buchungsfunktion enthält dazu bereits einen Standardhinweis im Buchungsflow.
Wir empfehlen trotzdem, diesen Ausschluss auch in deinen AGB oder der Leistungsbeschreibung klarzustellen. Das vermeidet Rückfragen und Missverständnisse. Beispieltext:
Beispieltext: "Bei diesem Angebot handelt es sich um eine freizeitbezogene Dienstleistung zu einem bestimmten Termin. Das Widerrufsrecht ist gemäß § 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB ausgeschlossen. Eine Stornierung ist nur nach Maßgabe der vereinbarten Bedingungen möglich."
7. Verbraucherschlichtung
Du musst auf deiner Website und in deinen AGB angeben, ob du an Verbraucherstreitbeilegungsverfahren teilnimmst — das ist EU-weit Pflicht.
Für Deutschland gilt: Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitenden sind von der allgemeinen Hinweispflicht befreit. Trotzdem musst du im Streitfall auf Anfrage informieren. Der Hinweis muss sowohl im Impressum als auch in den AGB stehen.
Mustertext für Nicht-Teilnahme: "Wir sind nicht bereit und nicht verpflichtet, an Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen."
Wenn du auch in andere EU-Länder verkaufst, beachte die jeweiligen Anforderungen. In Frankreich zum Beispiel bist du als B2C-Anbieter verpflichtet, einen "médiateur de la consommation" zu benennen und dessen Kontaktdaten zu veröffentlichen — unabhängig von der Unternehmensgröße.
8. Sprache deiner Buchungsseite
In Deutschland gibt es keine gesetzliche Pflicht, deine Seite auf Deutsch anzubieten. Praktisch unverzichtbar ist es aber trotzdem: AGB werden nur dann Vertragsbestandteil, wenn sie für Kund:innen verständlich sind.
Wenn du Kund:innen in anderen EU-Ländern ansprechen möchtest, beachte: In Frankreich müssen alle B2C-Inhalte auf Französisch verfügbar sein (Loi Toubon). In Spanien ist Kastilisch Mindestanforderung. In Belgien richtet sich die Pflichtsprache nach der Region deiner Kund:innen.
9. Checkliste vor dem Start
Bevor du deine Buchungsseite freischaltest, prüfe folgendes:
- Leistungsbeschreibung enthält alle wesentlichen Details (siehe Abschnitt 1)
- Steuerstatus in den Buchungs-Einstellungen korrekt gesetzt
- Wenn umsatzsteuerpflichtig und Steuersatz gewünscht: Prozentsatz manuell in Beschreibung oder AGB ergänzt
- Wenn Kleinunternehmer: gesetzlicher Verweis (§ 19 UStG) in Beschreibung oder AGB
- Zahlungsmodalitäten klar beschrieben
- Impressum vollständig — kein ODR-Link mehr enthalten
- Bei Verkauf nach Frankreich: "médiateur de la consommation" benannt
- Bei Verkauf nach Frankreich, Spanien oder Belgien: Buchungsseite in der Pflichtsprache verfügbar
- Datenschutzerklärung deckt Buchungsprozess, E-Mail-Erinnerungen und Cookies ab
- Bei freizeitbezogenen Terminbuchungen: Widerrufsausschluss in AGB oder Beschreibung klargestellt
- Bei anderen Buchungen: Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular hinterlegt
- Verbraucherschlichtungs-Hinweis in Impressum und AGB platziert
ℹ️ Brauchst du Unterstützung? Für Standard-Impressum, Datenschutzerklärung, je nach deinem Business AGB empfehlen wir unseren Rechtstexte-Manager powered by Trusted Shops. Bei komplexeren Konstellationen — regulierte Berufe, internationale Verkäufe, B2B/B2C-Mischmodelle — wende dich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.
FAQ
Muss ich rechtliche Informationen hinzufügen, um Jimdo Buchungen zu nutzen?
Ja. Wenn du kostenpflichtige Dienstleistungen an Verbraucher verkaufst, gelten die EU-Vorschriften für Fernabsatzverträge. Du musst eine korrekte Leistungsbeschreibung, transparente Preise, ein vollständiges Impressum, eine Datenschutzerklärung und — für bestimmte Buchungen — eine Widerrufsbelehrung bereitstellen.
Brauche ich Allgemeine Geschäftsbedingungen?
Nein — AGB sind für B2C-Verkäufe nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ohne eigene AGB gilt das nationale Vertragsrecht. Wir empfehlen AGB, wenn deine Buchungen mit höherem Vorbereitungsaufwand verbunden sind (z. B. Anmietung von Räumen oder Materialbestellungen).
Was passiert, wenn ich keine Stornierungsrichtlinie habe?
Für die meisten Online-Buchungen haben Kund:innen in der EU ein gesetzliches 14-tägiges Widerrufsrecht. Wenn du keine korrekte Widerrufsbelehrung bereitstellst, kann sich diese Frist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage verlängern. Bei Freizeitveranstaltungen mit festem Termin gilt das Widerrufsrecht gesetzlich nicht.
Enthält Jimdo Buchungen automatisch einen Hinweis zur Stornierung?
Für zeitgebundene Freizeitangebote (z. B. Workshops oder Fitnesskurse mit festem Termin) enthält Jimdo Buchungen standardmäßig einen Hinweis zum Ausschluss des Widerrufsrechts im Buchungsprozess. Wir empfehlen dennoch, diesen zusätzlich in deinen AGB oder deiner Beschreibung zu erwähnen.
Muss ich den ODR-Link aus meinem Impressum entfernen?
Ja. Die EU-Plattform zur Online-Streitbeilegung wurde im Juli 2025 eingestellt. Wenn dein Impressum noch auf ec.europa.eu/consumers/odr verweist, entferne den Link — er gilt jetzt als irreführende Geschäftspraxis.
Ich bin Kleinunternehmer:in und erhebe keine Umsatzsteuer. Was muss ich tun?
Aktiviere die Kleinunternehmer-Option in deinen Jimdo Buchungen Einstellungen. Im Buchungsprozess wird dann automatisch „Keine Umsatzsteuer berechnet (Kleinunternehmerregelung)“ angezeigt. Zusätzlich empfehlen wir, den entsprechenden Hinweis in deiner Leistungsbeschreibung oder deinen AGB aufzunehmen.
Muss ich meine Buchungsseite in der Landessprache anbieten?
In den meisten EU-Ländern gibt es keine strikte Sprachpflicht — deine AGB sind jedoch nicht wirksam, wenn Kund:innen sie nicht verstehen können. In Frankreich müssen alle B2C-Inhalte auf Französisch vorliegen. In Spanien ist Kastilisch vorgeschrieben. In Belgien hängt die erforderliche Sprache von der Region ab.
Ich verkaufe an Kund:innen in Frankreich. Muss ich etwas Besonderes beachten?
Ja — das französische Recht ist in zwei Punkten strenger als der EU-Standard. Erstens musst du einen Verbraucherschlichter („médiateur de la consommation“) benennen und dessen Kontaktdaten veröffentlichen. Zweitens müssen alle kundenbezogenen Inhalte (Beschreibungen, E-Mails, AGB, Richtlinien) auf Französisch verfügbar sein.
Welche Angaben zur Datenverarbeitung müssen in meiner Datenschutzerklärung enthalten sein?
Deine Datenschutzerklärung sollte enthalten: wer für die Daten verantwortlich ist, warum sie erhoben werden (zur Abwicklung der Buchung), welche Daten erhoben werden, wer sie erhält (einschließlich Jimdo GmbH als Auftragsverarbeiter), wie lange sie gespeichert werden und welche Rechte Kund:innen haben.
Wo bekomme ich ein Impressum, eine Datenschutzerklärung oder AGB?
Für Standardtexte empfehlen wir unseren Legal Text Manager powered by Trusted Shops. Für komplexere Fälle — wie regulierte Berufe, internationale Verkäufe oder gemischte B2B/B2C-Modelle — solltest du rechtliche Beratung in Anspruch nehmen.
ℹ️ Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Orientierung — er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei komplexeren Situationen solltest du eine rechtliche Beratung in Anspruch nehmen.